Das Profil der Interessengemeinschaft Kranichgrund

Die "Interessengemeinschaft Kranichgrund" (kurz: IG Kranichgrund) ist der freiwillige Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern vorrangig aus Ahlsdorf, Hohenkuhnsdorf und Schmielsdorf (dem "Kranichgrund"), die als Ortsteile zur amtsfreien Stadt Schönewalde gehören.

Die Mitglieder der IG Kranichgrund widmen sich ehrenamtlich solchen Belangen wie

- der Förderung von Kunst und Kultur

- der Förderung von Denkmalschutz und Denkmalpflege sowie

- der Förderung von Wissenschaft und Forschung (insbesondere der Regionalforschung).

Ihre Bemühungen sind ganz allgemein darauf gerichtet, den Kranichgrund als attraktiven und generationen-übergreifenden Lebensraum seiner Bewohner, aber ebenso als Kulturraum für das Land Brandenburg und die angrenzenden Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt touristisch aufzuwerten.

Die IG Kranichgrund ist als kultureller Akteur in der Region anerkannt und dadurch ein geschätzter Partner. Sie organisiert vor allem kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Vorträge bzw. Vortragsreihen (z.B. zu heimat-kundlichen Themen). Sie berät und unterstützt die Vorbereitung und Durchführung von Kunst- und Kulturprojekten und fördert wissenschaftliche Untersuchungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten von regionaler Bedeutung. Auf diese Weise soll einerseits bürgerschaftliches Engagement gestärkt und sollen andererseits die kulturpolitischen Interessen der Ortschaften des Kranichgrunds auf kommunaler Ebene vertreten werden.

Die IG Kranichgrund ist parteipolitischer und konfessioneller Neutralität verpflichtet und verfolgt keine politischen Ziele. Die Mitarbeit steht jeder natürlichen und volljährigen Person offen, die bereit und in der Lage ist, die Ziele der Interessengemeinschaft aktiv zu verwirklichen und zu fördern als ordentliches, als förderndes oder als korrepondierendes Mitglied.

 (Stand 2015)


Interessengemeinschaft Kranichgrund

Ansprechpartner:

Hans Werner Unger

c/o Lindenstraße 15
04916 Schönewalde
Tel: 0175 / 3812454

Martin Wehner

Tel:  035362 / 74620
Fax: 035362 / 74619



Der "Kranichgrund"

Die gemeinsame Bezeichnung »Kranichgrund« für die Ortschaften Ahlsdorf, Hohenkuhnsdorf und Schmielsdorf ist in Zusammenarbeit mit Dr. Reinhard Anders, Heimatforscher im Niederen Fläming, gewählt worden, um einen adäquaten Namen für einen möglichen Kulturförderverein zu finden. Die Entscheidung war vor allem notwendig,  um die historische Dominanz von Ahlsdorf mit seinem Rittergut zu durchbrechen und somit den Grundstein für eine höhere Identifikation mit dem Verein und eine größere Bereitschaft zur Mitarbeit in den beiden anderen Ortschaften zu erreichen. Die Wahl ist auch historisch begründet, denn die Region war, wie später noch dargelegt werden soll, lange Zeit durch weitreichende Sumpf- und Moorlandschaften („-grund“) geprägt. Sie ist auch heute noch Vogelbrutgebiet, vor allem von Krähen, Reihern und Kranichen. Da die beiden erstgenannten Vogelarten nicht unbedingt mit positiven Assoziationen verbunden sind, fiel die Wahl auf den „Kranich-“ – „für viele Vogelkundler [...][1]
einer der klügsten Vögel überhaupt“ . Historisch belegt sind auch die ornithologischen Forschungen des Ahlsdorfer Gutsherren A. S. v. Seyffertitz (1784-1857), der in den Jahren 1822-26 in engem Kontakt zu dem Vogelkundler Christian Ludwig Brehm (1787-1864) stand. Seyffertitz hielt und pflegte auf dem Gutshof Kraniche, die durch ihre Zahmheit auch die Aufmerksamkeit der adeligen Salongesellschaft erregten. Brehm veröffentlichte in der ersten ornithologischen Zeitschrift der Welt „Ornis“ Seyffertitz‘ Beobachtungen, kommentierte und bestätigte diese  ebenso wie sein Sohn Alfred Edmund Brehm (1829-1884) in den Werken „Das Leben der Vögel“ und „Brehms  Thierleben [2]."
 
[1] Weber, Ralf: Ein zahmer Kranich auf dem Gutshof Ahlsdorf. In: Heimatkalender 2008, Region Herzberg/Elbe-Elster. S. 63-67, hier: S. 63.
[2] Vgl. Ebd. S.63ff.
 
aus UNGER, C.M.: Entwicklung im ländlichen Raum: Der Ortsteil Ahlsdorf in der amtsfreien Stadt Schönewalde.
                                 Eine Kulturkonzeption für den "Förderkreis Barockkirche Ahlsdorf".
                                 Sächsische Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, Dresden 2012 (Ms.), S.11
 
(Der Originaltext wurde der Webseitengestaltung angepasst.)



Der "Förderkreis Barockkirche Ahlsdorf"

1. Entstehungsgeschichte der Interessengemeinschaft - Kurzer Abriss

Am Anfang stand die Idee, die seit 2005 verstummte und beschädigte Orgel restaurieren zu lassen. Zu diesem Zweck initiierte Hans Werner Unger, emeritierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (HMT), seit 2009 mehrere Benefizveranstaltungen, die breite Resonanz erfuhren und eine hohe Spendenbereitschaft hervorriefen. Diese klassischen Konzerte fanden in enger Zusammenarbeit mit Studierenden und Lehrenden der HMT Leipzig statt. Am 29.07.2011 fand eine Vorbesprechung [1] für das 4. Benefizkonzert statt, das im September 2011 unter dem Projekt „Musikschulen öffnen Kirchen“ des Landes Brandenburg stand und mit Schülern und Lehrern der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" Herzberg / Elster durchgeführt werden sollte.
Erstmals nahmen an einer Sitzung für die in der Kirche stattfindenden Benefizkonzerte die Vertreter der Kirchengemeinde, der Gemeindepfarrer Volkmar Homa und die Kirchenältesten, teil. Dabei standen Überlegungen zur Sanierung der Orgel und des Kirchenschiffs im Mittelpunkt, die eine Formierung als »Förderkreis Barockkirche Ahlsdorf« nach sich zogen. Stand anfangs lediglich die Orgel im Fokus der Arbeit, verschob sich dieser nun in Richtung ganzheitliche Kirchensanierung. Dennoch wurden der dringende Sanierungsbedarf des Kirchenschiffs und –dachs vom Gemeindepfarrer unterschätzt und bereitstehende Mittel zur Instandsetzung zurückgehalten. Kurz darauf, am 06.08. und 20.08.2011, lösten sich durch Altschäden Balken und Putzteile der Kirchendecke über dem Altar und fügten unter anderem dem Altarretabel von 1710 schwere Schäden zu. Daraufhin erfolgten die Sperrung der Kirche und Einleitung von Bauberatungen. Der Förderkreis um Hans Werner Unger und Dr. med. Martin Wehner forcierte anschließend die Presse- und Lobbyarbeit. Die Einwohner von Ahlsdorf und Schmielsdorf wurden über einen offenen Brief zur Mithilfe beim Erhalt der Kirche angesprochen. Das geplante Benefizkonzert musste in die Festscheune auf dem Schlossareal verlegt werden und lockte ca. 120 spendenfreudige Besucher an [2].

Der Fokus des Förderkreises lag von nun an auf einer kontinuierlichen Presse- und Netzwerkarbeit.Rasche unbürokratische und finanzielle Unterstützung erfolgte durch den Förderkreis „Alte Kirchen Berlin- Brandenburg“.

Ebenso wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gewonnen, die ausführlich in ihrer Publikation monumente (Ausgabe 02/2012) über Ahlsdorf berichtete und bundesweit zu Spenden aufrief [3]. 2012 wurde die Reihe der Benefizkonzerte um eine Dia-Reiseberichtsreihe erweitert, die großen Anklang fand. Mit der Bereitstellung von Fördermitteln aus dem ILE-/Leader-Programm [4] durch das Land Brandenburg in Höhe von ca. 400.000 Euro und die Aufstockung des Eigenanteils durch verschiedene Gremien der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands im Juni 2012 konnte die Sanierung des Kirchengebäudes sichergestellt und mit der Notsicherung ab Juli 2012 begonnen werden. Dadurch kann sich nun das Hauptaugenmerk der Initiative auf die Restaurierung des Kircheninventars beziehungsweise der Kunstgegenstände der Kirche (Epitaphien, Patronatsloge, Kanzel mit Sanduhr, Orgel und vieles mehr) verlagern, die nicht Gegenstand des Fördermittelbescheids sind. Spätestens mit der Bereitstellung von Fördermitteln und der damit einhergehenden Vielzahl von zu bewältigenden Aufgaben und Anforderungen sowie der hohen Präsenz der Ortschaft in der medialen Berichterstattung setzte sich das Bewusstsein von der Notwendigkeit durch, eine geeignete Rechtsform zu finden.

Nun gilt es, die hohen Investitionen in diese kleine, aber kunstgeschichtlich bedeutende Kirche in der strukturschwachen Elbe-Elster-Region zu legitimieren und die erste Ideenskizze einer übergreifenden Nutzung fortzuführen und umzusetzen. Ebenso bietet die jetzige Situation die Möglichkeit, für die Ortschaft und ihr Umland eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.

Aus diesem Grund hält der Förderkreis regelmäßig Besprechungen ab mit dem Ziel, die Menschen vor Ort für diese gemeinsame Unternehmung zu begeistern und aktiv einzubinden.

Der Autor begleitete den Förderkreis seit Beginn seiner Arbeit beratend und hat darüber hinaus nahezu für alle Benefizkonzerte die Werbemittel gestaltet. Da dieser Prozess parallel zur Entwicklung dieses Konzepts verläuft und immer noch im Gange ist, sind viele der Vorschläge, die anfänglich gemacht wurden, bereits von den Geschehnissen überholt oder realisiert worden.

2. Beteiligte Akteure und Konflikte

Neben einer Vielzahl von Bürgern aus den Ortsteilen des »Kranichgrunds«, die sich für den Förderkreis interessieren und engagieren, sind als wesentliche Akteure in Ahlsdorf auszumachen: (1.) Die Familie Meuschel-Wehner, Besitzer des Schloss Ahlsdorf; (2.) die Kirchengemeinde Ahlsdorf, die zum Kirchspiel Schönewalde gehört und (3.) die Stadt Schönewalde, die Träger des Schlossparks ist.

Während die Schlossbesitzer ein reges Interesse an der kulturellen und touristischen Entwicklung des Ortes zeigen und sich im Förderkreis aktiv einbringen und zugleich diversen Veranstaltungen auf dem Schlossgelände Raum bieten, ist das Verhältnis zu den anderen beiden Hauptakteuren schwieriger.

Zwischen dem Kirchspiel Schönewalde mit ihrem Pfarrer und der Kirchengemeinde Ahlsdorf scheint eine Konkurrenz zu bestehen, die sich am deutlichsten in der Frage der Kirchensanierung zeigte. Für die dringend notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen an der Barockkirche Ahlsdorf wurden erforderliche finanzielle Mittel, obwohl vorhanden, lange Zeit zurückgehalten. Gleichzeitig wurde über die Jahre hinweg die Sanierung und Instandsetzung der Schönewalder Kirche als Zentrum des Kirchspiels vorangetrieben. Die Sperrung der Barockkirche wegen Einsturzgefahr brachte ein Einlenken.

Die Stadt Schönewalde gerät immer wieder in die Kritik, da sie den Verpflichtungen als Träger des Parks aufgrund der katastrophalen Haushaltlage nicht nachkommt, aber ebenso kein schlüssiges Nutzungskonzept vorweisen kann. So überwiegt bei den Bürgern das Misstrauen gegenüber der Stadt, dass eigene Ideen, Projekte und Initiativen vereinnahmt werden, die diese sich personell und finanziell nicht leisten kann.

Mit diesen Akteuren gilt es zukünftig in engen ergebnisorientierten Gesprächen gemeinsame Wege aus der Misere zu finden. Der Förderkreis selbst wurde im Juni 2012 über den kirchlichen Hintergrund hinaus um weitere interessierte Bürger erweitert und wird bis zur Gründung eines Vereins als »Förderkreis Barockkirche Ahlsdorf« / [5]

Anmerkungen:

[1]
Das Projekt „Musikschulen öffnen Kirchen“ ist eine Gemeinschaftsaktion der teilnehmenden örtlichen Kirchengemeinden mit dem Förderkreis „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“, dem Musikschulverband Brandenburg, den regionalen Musikschulen, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Unterstützt wird das Projekt von RBB Kulturradio und der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Ziel ist es, die Kirchen wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens als erlebbaren Kulturraum zu platzieren, Musikschularbeit zu präsentieren und Ortsgeschichte zu erleben. 2011 fanden mithilfe von 1110 Mitwirkenden insgesamt 40 Veranstaltungen im Land Brandenburg statt, die 4.100 Besucher ansprachen und einen Reinerlös von 15.800 Euro erbrachten. Das seit 2007 laufende Projekt zeichnet sich durch eine hohe Bereitschaft der Mitarbeit und Resonanz in Brandenburg aus. Für 2012 sind 50 Veranstaltungen geplant. (Vgl: http://musikschulen-oeffnen-kirchen.de/site/home/, Stand: 04.08.2012.)

[2]
Das Konzept der Benefizkonzerte sieht vor, keine Eintrittsgelder zu verlangen, sondern es wird im Anschluss um Spenden gebeten. Dies erwies sich bislang als erfolgbringend. Die Bereitschaft zu Spenden ist deutlich höher anzusetzen als die Bereitschaft ein Eintrittsgeld von 5 Euro zu zahlen. Das 4. Benefizkonzert beispielsweise brachte Spendengelder in Höhe von 850 Euro bei 120 Besuchern ein.

[3]
Siehe: Anhang 2. S. 65ff. / Vgl. Deutsche Stiftung Denkmalschutz [Hrsg.]: monumente 02/2012. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Bonn 2012, S. 22-26.


[4]
Das Gemeinschaftsprogramm „Integrierte ländliche Entwicklung“ (ILE) der Länder Berlin und Brandenburg und "Liaison entre Actions de Développement de l´ Economie Rural" (LEADER) der Europäischen Union fördert Maßnahmen, die wirtschaftliche und ökologische Leistungsfähigkeit des ländlichen Raums stärken, insbesondere jene, die den Erhalt bzw. die Schaffung von Arbeitsplätzen nach sich ziehen. Das Ziel des Förderprogramms ist es, die Lebensperspektive aller vor Ort lebenden Altersgruppen zu verbessern. Die anvisierte regionale nachhaltige Entwicklung soll darüber hinaus die Landesförderstrategie unterstützen.

(Vgl. Fördermaßnahmen des Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) des Landes Brandenburg: http://www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/5lbm1.c.160692.de, Stand: 03.08.2012.)

[5]
Die Mitglieder der erweiterten Runde sind im Anhang 3 auf S. 72f. zu finden. Die Liste verdeutlicht außerdem das hohe überregionale Interesse an der Ahlsdorfer Kirche.